Antwort des BMZ auf den Offenen Brief

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Sehr geehrter Herr Bonhage,

vielen Dank für Ihren offenen Brief. Das von Ihnen angesprochene Thema – die gezielte Ansprache bislang wenig repräsentierter Zielgruppen im weltwärts-Programm – ist auch uns ein wichtiges Anliegen. Darum begrüßen wir es sehr, dass Sie dieses Thema aufgegriffen haben.

Für das BMZ und den Programnisteuerungsausschuss weltwärts möchten wir zu den von Ihnen aufgeworfenen Fragen und Forderungen gerne gemeinsam Stellung nehmen. Wir bitten Sie, auch die anderen Teilnehmenden der.„undjetzt?!-Konferenz 2013″ hierüber zu informieren.

Der Ende 2011 vorgelegte Bericht zur Evaluierung des entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes weltwärts kommt zu dem Schluss, dass weltwärts ein effektives Instrument ist, um junge Erwachsene für einen Freiwilligendienst in Eritwicklungsländern zu gewinnen. Der Bericht stellt aber ebenfalls fest, dass die Gruppe der weltwärts-Freiwilligen mit Blick auf die demographischen Charakteristika nicht den gesellschaftlichen Durchschnitt abbildet. Hieraus ergibt sich die Handlungsempfehtung, dass die gezielte Förderung spezifischer Zielgruppen gestärkt werden solle.

Diese Handlungsempfehlung wurde – wie Sie es bereits darlegen – im anschließenden Follow-up Prozess von den Akteuren des Freiwilligendienstes weltwärts gemeinsam aufgegriffen und in der AG Zielgruppenerreichung bearbeitet. Dabei wurden folgende Zielgruppen identifiziert, die verstärkt für einen weltwärts-Freivyilligendienst angesprochen werden sollen:

  • junge Erwachsene mit Behinderung
  • junge Erwachsene mit laufender oder abgeschlossener Berufsausbildung
  • junge Erwachsene nichtdeutscher Staatsbürgerschaft mit dauerhaftem Aufenthaltsrecht bzw. junge Erwachsene mit Migrationshintergrund

Erste Schritte des von der AG Zielgruppenerreichung entwickelten Konzepts zur sozialen Inklusion werden bereits umgesetzt. So fördert das BMZ über Programmbegleit- und Rückkehrmaßnahmen Pilot Projekte, die von Entsendeorganisationen durchgeführt werden. So arbeitet z.B. das Welthaus Bielefeld daran, Hürden im Bewerbungs- und Äuswahlprozess für junge Berufstätige bzw. Berufsschüler/innen nachzugehen und erarbeitet Lösungsvorschläge. Andere Initiativen haben auf diese Ergebnisse aufgebaut. Fünf weitere Begleit- und Rückkehrmaßnahmen befassten sich in verschiedenen Aktivitäten gezielt mit der Erhöhung des Anteils von jungen Leuten mit Berufsabschluss oder der Integratiori sozial benachteiligter Zielgruppen. Darüber hinaus hat die Essener Entsendeorganisation „Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit e.V“ im Rahmen der Projekte „weltwärts alle inklusive!“ trägerübergreifend und unter Beteiligung der Partner und Mentor/innen ein inkluslves Konzept entwickelt, um die Teilnahme von Freiwilligen mit Behinderungen am Freiwilligendienst weltwärts voran zu bringen.

Ein Anfang ist gemacht, aber die Anstrengungen müssen weiter verstärkt werden, um den Anteil der an weltwärts teilnehmenden Freiwilligen aus den genannten Zielgruppen im nennenswerten Umfang zu erhöhen. Nun gilt es, die Erfahrungen der Pilotmaßnahmen auszuwerten und für die weitere Entwicklung des Programmes zu nutzen.

In der dritten Sitzung des neu gegründeten Programmsteuerungausschusses, die am 1.10.2013 stattfand, hat der PSA über die Einsetzung einer begleitenden Arbeitsgruppe zur Zielgruppenerreichung beraten. Engagement Global gGmbH wird in der Koordinierungsstelle weltwärts für den Zeitraum von zwei Jahren eine Vollzeitstelle mit dem Schwerpunkt ,;Neue Zielgruppen“ einrichten. Das Bewerbungsverfahren läuft bereits, die Stelle soll sobald wie möglich besetzt werden. Mit der Einsetzung der AG Zielgruppen sowie der genannten Personalverstärkung ist eine gute Grundlage zur intensiveren Bearbeitung des Themas geschaffen.

Weiterhin darf es keine Zugangshürden für Teilnehmende aus einkommensschwachen Familien geben. Aus diesem Grunde ist auch kein Teilnahmebeitrag der Freiwilligen zum Programm vorgesehen und die ersatzweise Einwerbung von Spendengeldern keine Teilnahmevoraussetzung.

In den knapp zwei Jahren seit Vorlage des Evaluierungsberichtes wurden in gemeinsamer Anstrengung der weltwärts-Akteure die Handlungsempfehlungen der Evaluierung beraten und wichtige Umsetzungsschritte eingeleitet. So startet im Herbst 2013 eine neue weltwärts Süd-Nord-Komponente, die Freiwilligen aus den Partnerländern einen Freiwilligendienst auf Plätzen des Bundesfreiwilligendienstes in Deutschland ermöglicht. Ein neues Qualitätsmanagementsystem im weltwärts-Programm wird derzeit umgesetzt und eine neue Förderleitlinie weltwärts erarbeitet. Wir denken, dass die Evaluierung von 2011 und der anschließende Follow-up-Prozess bereits einen wichtigen Beitrag dazu geleistet hat, die Qualität und Attraktivität des Freiwilligendienstes weltwärts zu erhalten und weiterzuentwickeln.

An der weiteren Umsetzung der Ergebnisse müssen die Akteure des Gemeinschaftswerkes weltwärts gemeinsam weiterarbeiten. Wir freuen uns, dass Sie, die ehemaligen und engagierten weltwärts-Freiwilligen in allen weltwärts-Gremien mit hohem Engagement und Fachverstand beitragen und den weiteren Prozess mitgestalten.

Mit freundlichen Grüßen
Birgit Pickel
Leiterin des BMZ Referates 114
und staatliche Koordinatorin des Programmsteuerungsausschussesweltwärts

Gisela Kurth
zivilgesellschaftliche Koordinatorin des Programmsteuerungsausschusses weltwärts

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