Bericht zum Triff PFIF zum Thema Entwicklungszusammenarbeit neu denken

von Silke Mumme

Vom 22. bis 24. April haben sich 34 ehemalige Freiwillige in Frankfurt getroffen, um sich kritisch mit dem Status quo der Entwicklungszusammenarbeit auseinanderzusetzen und über Perspektiven zu diskutieren, wie EZ neu gedacht werden könnte.

Das Wochenende begann am Freitagnachmittag mit einem kurzen Kennenlernen aller Teilnehmenden, bevor wir am Abend von Philipp und Arne einen Einblick in die Geschichte und aktuellen Strömungen der staatlichen EZ bekamen.

In alter Frische starteten wir den Samstag mit einem Vortrag von Frank Schmidt, der schon viele Jahre in der Entwicklungszusammenarbeit tätig ist. Als studierter Geograph hat er an verschiedenen Projekten der staatlichen EZ mitgewirkt. Er berichtete uns von seinen Erfahrungen am Beispiel eines Projektes, das regionale Handelsbeziehungen in Zentralasien stärken sollte. Durch den Vortrag wurden einige Fragen über die Motivationsgründe von Entwicklungszusammenarbeit aufgeworfen. Franks Vortrag und ein anschließendes Rollenspiel verdeutlichten Wirkmechanismen, die die staatliche EZ prägen und bildeten eine Grundlage für das kritische Hinterfragen der aktuellen Praxis der EZ in den folgenden Workshops.

Dabei setzten wir uns zum einen damit auseinander, was neu gedachte Entwicklungszusammenarbeit für den globalen Norden bedeuten würde. Dabei wurde insbesondere über den Zusammenhang vom Human Development Index (HDI) und dem ökologischen Fußabdruck von Staaten diskutiert. In den meisten Fällen ist zu beobachten, dass der ökologische Fußabdruck mit einem Anstieg des HDI ebenfalls zunimmt. Davon ausgehend stand die Frage nach der Möglichkeit einer Entkopplung von Emissionsausstoß und „Entwicklung“ im klassischen Sinne im Mittelpunkt.

Parallel dazu beschäftigte sich eine Gruppe mit den Sustainable Development Goals (SDGs), die 2015 beschlossen worden sind. Insbesondere setzten wir uns damit auseinander, inwieweit sich die SDGs von den Millenium Development Goals unterscheiden, die in den 15 Jahren zuvor die Richtung der Entwicklungszusammenarbeit bestimmt haben. Außerdem diskutierten wir darüber, welcher Begriff von Nachhaltigkeit eigentlich hinter den Zielen steckt.

In einer dritten Gruppe setzten wir uns mit dem Thema Post-Development auseinander. Aus dieser entwicklungstheoretischen Position heraus, die insbesondere in Lateinamerika in den 1980er Jahren aufgekommen ist, wird der Gedanke von „Entwicklung“ grundlegend abgelehnt. Ausgehend von einem kleinen Impuls-Vortrag diskutierten wir insbesondere, inwieweit EZ koloniale Machtverhältnisse aufrecht erhält, und wie Alternativen zu Entwicklung aussehen könnten. In der Diskussion wurde uns vor allem deutlich, wie komplex globale Machtverhältnisse sich gestalten und wie schwer es uns im globalen Norden fällt, aus unserer aktiven machtvollen Rolle herauszutreten.

Wir beendeten den Samstag mit einem Film über Thomas Sankara, der in den 1980er Jahren als Präsident von Burkina Faso zu einem Hoffnungsträger vieler Regionen des afrikanischen Kontinents wurde, indem er sich von den ehemaligen Kolonialmächten weitestgehend lossagte und so für ein neues Selbstbewusstsein der afrikanischen Staaten kämpfte. Im Anschluss an den Film saßen wir noch in gemütlicher Runde zusammen und diskutierten über die Anstöße, die uns der Film gegeben hatte, bevor sich die Runde auflöste und teilweise ins Nachtleben, teilweise ins Bett entschwand.

Am Sonntag schließlich wollten wir das Gelernte und Diskutierte praktisch werden lassen. In verschiedenen Kleingruppen begannen wir, Positionspapiere zu entwerfen, Folgeveranstaltungen zu planen, offene Fragen noch weiter zu diskutieren und uns darüber Gedanken zu machen, wie unsere Kritik an Entwicklungszusammenarbeit auch aus der „weltwärts-Blase“ herausgetragen werden kann.

Zum Abschluss kamen wir gerade rechtzeitig vor dem nächsten Hagelschauer noch einmal alle zu einer Streichholzrunde zusammen, in der wir das Wochenende Revue passieren ließen und reflektierten. Und weil nach der Arbeit auch das Vergnügen nicht zu kurz kommen darf, machten wir uns nach dem Mittagessen gemeinsam zu einem postkolonialen Stadtrundgang durch Frankfurt auf, bei dem die noch immer existenten Spuren des Kolonialismus einmal ganz konkret sichtbar wurden.

Wir danken allen Teilnehmenden für das schöne und ertragreiche Wochenende und starten mit viel Energie in die weitere Arbeit in den Kleingruppen, die sich auf dem Wochenende gefunden haben. Wir freuen uns darauf, möglichst viele wiederzusehen!

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