Selbstverständnis

Wer sind wir?

PFIF steht für Politische Freiwilligenvertretung Internationaler Freiwilligendienste. Wir sehen unseren Namen als unsere Vision: Wir möchten uns für eine verstärkte politische Teilhabe und Mitsprache von ehemaligen Freiwilligen verschiedener Dienstformate einsetzen. Wir träumen davon, dass langfristig auch Süd-Nord- und Incoming-Freiwillige in den Programmstrukturen von Freiwilligendiensten gleichberechtigt mitreden können.

Wir sind eine offene Gruppe, deren Arbeit jede*r mitgestalten kann. Um unsere Vision eines Lerndienstes für globale Zukunftsfragen voranzutreiben, möchten wir Stimmen der ehemaligen Freiwilligen auf politischer Ebene einbringen. Unsere Arbeit erfolgt ehrenamtlich und ist motiviert von unseren Erfahrungen, die wir im Rahmen unserer Freiwilligendienste gemacht haben. Uns verbindet, dass der Freiwilligendienst bei uns Denkprozesse angestoßen hat, die wir zusammen weiterdenken möchten. Vor allem teilen wir die Auffassung, dass dem weltwärts-Programm ungleiche Machtstrukturen zugrunde liegen, die wir verändern möchten.

Aktuell besteht unser Team überwiegend aus zurückgekehrten Nord-Süd-Freiwilligen des weltwärts-Programms. Wir haben innerhalb der Nord-Süd-Komponente spezifische Erfahrungen gemacht, die von denen der Süd-Nord-Freiwilligen abweichen. Wir können und wollen nicht für Süd-Nord Freiwillige sprechen, sondern möchten, dass sie sich selbst aktiv in das Programm einbringen können und ihre Perspektiven und Kritik selbstbestimmt äußern können.

Wie sehen wir das weltwärts-Programm?

  • Nord-Süd-Freiwillige im weltwärts-Programm sind fast ausschließlich Abiturient*innen mit einem hohen sozioökonomischen Status (BMZ Evaluierungsbericht 056), was wir als sehr problematisch betrachten. Das Programm ist offensichtlich nicht für alle jungen Menschen zugänglich.
  • Innerhalb der Nord-Süd-Komponente reisen meist junge berufsunerfahrene deutsche Schulabgänger*innen aus. Sie führen im jeweiligen Einsatzland Aufgaben aus, die sie nicht ohne Berufsausbildung in Deutschland ausführen dürften. So unterrichten beispielsweise viele Nord-Süd-Freiwillige ohne pädagogische und fachliche Ausbildung in schulischen Einrichtungen.
  • Wir sehen die Einführung der Süd-Nord-Komponente des weltwärts-Freiwilligendienstes als richtigen und notwendigen ersten Schritt auf dem Weg zu einem gleichberechtigteren Programm. Dieser reicht jedoch nicht aus, um strukturelle Ungleichheiten zu beseitigen.
  • Süd-Nord-Freiwillige sind häufig fachlich besser qualifiziert und führen in den Einsatzstellen einfache Hilfstätigkeiten aus. Hierin sehen wir ein deutliches Ungleichgewicht zwischen der Süd-Nord- und der Nord-Süd-Komponente.
  • Von einem weltwärts-Freiwilligendienst als Nord-Süd-Freiwillige*r profitieren die Freiwilligen selbst, beispielsweise in Form von persönlicher Weiterentwicklung, Sprachkompetenzen und Auslandserfahrung.
  • Die Langstreckenflüge der Freiwilligen in die jeweiligen Einsatzländer, trägt zu einer globalen Erderwärmung bei. Wir sind überzeugt, dass dieser Sachverhalt unbeachtet und meist unreflektiert bleibt. Diese Problematik wird durch Besuche von Familie und Freund*innen noch weiter verstärkt.
  • Der Fokus des weltwärts-Programms liegt auf der Förderung des Engagements nach dem Freiwilligendienst. Darin sehen wir eine große Chance, junge Menschen hinsichtlich ihrer Projektplanung und -umsetzung zu befähigen und zu unterstützen. Das ehrenamtliche Engagement von ehemaligen Freiwilligen nach ihrem Dienst kann somit zur bürgergesellschaftlichen Bereicherung beitragen.

Unsere Vision eines Lerndienstes für Globale Zukunftsfragen

  • Alle beteiligten Akteur*innen haben ein gleiches Mitspracherecht bei der Konzeption und Steuerung des Programms.
  • Es existiert eine Ausgewogenheit hinsichtlich der Anzahl der Süd-Nord- und Nord-Süd-Freiwilligen, der Finanzierung des Rückkehrengagements und den Visavergaben.
  • Es gibt eine intensive Vor-und Nachbereitung sowie eine zuverlässige pädagogische Begleitung der Freiwilligen während des gesamten Freiwilligendienstes. Insbesondere werden antirassistische und postkoloniale Perspektiven aufgezeigt und die eigenen Positionen und Privilegien reflektiert. Verschiedene Lebensrealitäten, die von Diskriminierungserfahrungen durch beispielsweise (Hetero-)Sexismus, Rassismus oder Klassismus geprägt sind, werden berücksichtigt. Der Freiwilligendienst ist inklusiv
  • Der Freiwilligendienst hat eine Dauer von mindestens einem Jahr, um Freiwilligen die Möglichkeit zu geben, eigene Stereotype wahrzunehmen und zu hinterfragen.
  • Es existiert eine faire Visavergabe für alle beteiligten Akteur*innen im Programm.
  • Alle Personen, die Freiwillige vor Ort betreuen, erfahren Wertschätzung und erhalten eine angemessene Bezahlung
  • Aufnahmeorganisationen werden gleichberechtigt in den Auswahlprozess der Freiwilligen miteinbezogen, wenn der Wunsch danach besteht.
  • Es gibt ein umfassendes Konzept für Rückkehrendenengagement und -finanzierung, welches niedrigschwellige Finanzierungsmöglichkeiten für (langfristige) Projekte bietet.

Unsere Arbeitsschwerpunkte

  • Der Austausch und die Vernetzung mit ehemaligen Freiwilligen

Auf Seminaren wie z. B den Rückkehrendenseminaren und offenen PFIF-Teamtreffen, sowie Veranstaltungen wie der undjetzt?!-Konferenz stehen wir im Austausch mit ehemaligen Freiwilligen, um verschiedene Erfahrungen aus den Freiwilligendiensten in die Weiterentwicklung des Programms einzubringen.

  • Eine regelmäßige Öffentlichkeitsarbeit

Über Facebook, die PFIF-Website und die PFIF-Plattform informieren wir über aktuelle Geschehnisse im Projekt und im weltwärts-Gemeinschaftswerk und laden alle Interessierten ein, ihre Meinungen mit uns und anderen Freiwilligen zu teilen.

  • Sprachrohr der ehemaligen Freiwilligen

Durch gewählte Freiwilligenvertreter*innen vertreten wir die Perspektive ehemaliger Freiwilliger im Programmsteuerausschuss (PSA), dem zentralen Entscheidungsorgan des weltwärts-Gemeinschaftswerkes. Durch weitere Rückkehrer*innen arbeiten wir in verschiedenen themenspezifischen Arbeitsgruppen des Gemeinschaftswerkes mit.

  • Organisation und Durchführung von thematischen Seminaren

Wir bieten die Möglichkeit während der Teilnahme an Seminaren rund um das Thema (kritische) „Entwicklungspolitik“ und Freiwilligendienste, das weltwärts-Programm weiterzudenken und mehr über unsere politische Arbeit zu erfahren.

  • Ansprechpartner*innen für ehemalige Freiwillige

Für alle Menschen, die mehr über das weltwärts-Programm auf politischer Ebene erfahren möchten oder sich in die Strukturen des weltwärts-Programms einbringen möchten, sind wir Ansprechpartner*innen.

 Wie legitimieren wir unsere Arbeit?

PFIF legitimiert sich über die PSA-Wahlen, über öffentliche Team-Skypes, persönliche Präsenz und insbesondere einen verstärkten Fokus auf Rückkehrendenseminare, um allen interessierten ehemaligen Freiwilligen die Möglichkeit der Beteiligung zu geben. Zudem bildet die PFIF-Plattform eine weitere Legitimationsstütze der PFIF.

Das Selbstverständnis der PFIF sehen wir als Prozess. Es ist in dieser aktuellen Version im Team abgestimmt. Das Selbstverständnis wird erweitert oder abgeändert, sobald die Notwendigkeit dafür im Team beschlossen wird und es einen Konsens über die Abänderuneng gibt.