Utopia – am Puls der Zeit!? Und Jetzt?!

Thüringen. Unter dem Zeichen „Utopia“ trafen sich auf der diesjährigen undjetzt?!-Konferenz rund 140 junge, motivierte Rückkehrer*innen aus verschiedenen internationalen Freiwilligendiensten. In über 50 Workshops sollte so kritisch, wissbegierig, weltoffen und innovativ diskutiert werden. Doch was bleibt nach einer Woche voller Eindrücke und Denkanstößen zurück in der harten Realität? PFIF war dabei.

Mit Schlamm an den Gummistiefeln, kalten Füßen und einer Tasse heißen Tee in den Händen sitzen die anwesenden Köpfe der Politische Freiwilligenvertretung internationaler Freiwilligendienste (PFIF) im Und Jetzt – Café. Sie sitzen auf ausgelegten Matratzen, mit dicken Kissen im Rücken und Decken über den Knien in revolutionärer Atmosphäre in dem kleinen Gemäuer, den massiven Katakomben der Burg Lohra.

Die festen Burgmauern dienten schon seit Jahrhunderten als Schutz vor Feinden. Heute schützen sie vor harter Realität, Diskriminierung, Alltagsrassismus und Pragmatismus. In den kommenden Wochen ist Landtagswahl in Thüringen. In den umliegenden Dörfern dominieren die Plakate von Afd, NPD und CDU. Trotz Regen, Wind und Kälte lassen sich die Teilnehmenden das sonnige Gemüt nicht nehmen. Sie wollen ihre Vorstellungen einer anderen Welt hier austauschen, um von der schützenden Festung aus ihre Initiativen in die Welt zu tragen. Das Motto: Hinausgezogen in die weite Welt und zurückgekehrt. Und Jetzt?! Es muss weitergehen! Damit sich aus der Vielfalt viel entfaltet. Denn die, die da sind, sind die Richtigen.

Arne, Jenny und Tim von PFIF stecken die Köpfe zusammen, sie lassen den Tag Revue passieren. Sind sie zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort? Oder hinken sie mit ihrer Initiative der Zeit bereits hinterher?

Bereits im Jahr 2011 entstand die Idee zu einer gemeinsamen Plattform der politischen Teilhabe von Internationalen Freiwilligen. Diese Idee wurde auf der damaligen undjetzt?!-Konferenz im Schutz der damaligen Freiräume gesät und über die Mauern der Utopia hinaus verbreitet. Seit dem ist die Initiative mit langem Atem und mutigen Mitstreitenden gewachsen, erste Früchte mögen bereits erkennbar sein.  Allein mit dem weltwärts-Programm sind nunmehr 20.000 junge Menschen in die Welt gezogen und bereits wieder in Deutschland.  Dieses Potential einer ziemlich heterogenen Gruppe gilt es zu fördern und katalysieren, um sich Gehör verschaffen zu können. An politischen Forderungen mangelt es nicht, wie die Workshop-Phasen oder Vorträge sowie der Thementag zum Thema „Postkolonialismus“ zeigen. Mit dem richtigen „Freiraum“ lässt sich festhalten es gibt regen Bedarf an alternativen Formen des Zusammenlebens, von Beziehungen, des Wirtschaftens und des Denkens. Die neue Reverse-Komponente des weltwärts-Programms, eine jahrelange Forderung der Rückkehrer*innen, wurde zum Anlass genommen über Perspektiven des Süd-Nord Austausches zu sprechen. Dafür boten die Vertreter*innen von PFIF den passenden Raum und spickten die Debatte mit neuen Informationen. Doch auch ohne Initiative von PFIF ging es in anderen Gruppen um die politische Mitgestaltung internationaler Freiwilligendienste.
„An mehreren Stellen zeigte sich, dass PFIF bei vielen Menschen noch unbekannt ist, während gleichzeitig die Nachfrage nach struktureller Partizipation an vielen Stellen hoch ist“, resümiert Jenny. Sie leitet dies unter anderem aus den Forderungen der People of Colour weltwärts „bunter“ zu machen ab. Auch aus weiteren Wortbeiträgen und gestarteten Initiativen lässt sich der Wunsch nach einer Diversifikation der Zielgruppe für internationale Freiwilligendienste erkennen. „An dieser Stelle sehen wir unseren Anknüpfungspunkt für die nächste Zeit“ fügt Arne hinzu. Arne, der seit Anfang an bei PFIF dabei ist, führt noch mal vor Augen, „dass PFIF eigentlich an dieser Stelle ansetzt und den politischen Forderung eine Plattform liefern muss.“

Sinnbildlich bricht die triste, graue Wolkendecke an den letzten Tage der undjetzt?!-Konferenz auf. Aufbruch auch für die PFIFigen. Raus aus den engen Gemäuern des Cafés, raus auf den Burginnenhof ihr Anliegen mit bereits neu gewonnen Mitstreiter*innen auf dem Markt der Möglichkeit verbreiten. Dabei strahlen sie und die anderen Teilnehmenden mit der Sonne um die Wette. Gemeinsam mit den neu gefundenen Interessenten und Ansprechpartner*innen anderer Initiativen soll der Spirit nun weitergetragen werden. In einem selbstauferlegten „Power Monat“ will PFIF die nächsten Schritte gehen, um die mitgenommene Inspiration für die Arbeit zu nutzen. Anfang Oktober möchte man bereits erneut zusammenkommen und weiter die Version einer Plattform verwirklichen.

Links:

www.undjetzt-Konferenz.de

www.grenzenlos.org

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