Positionspapier: weltwärts als Wehrdienstalternative

Die Freiwilligenvertretung von weltwärts nimmt die Verabschiedung des WDModG vom Dezember 2025 betroffen zur Kenntnis und positioniert sich gegen die Bedarfswehrpflicht sowie eine allgemeine Wehrpflicht. Sollte der Gesetzgeber jedoch eine Wehrpflicht einführen, fordern wir die rechtliche Anerkennung von weltwärts als Wehrdienstalternative unter §14b (ZDG) für die Nord-Süd-Komponente.

Im Dezember 2025 wurde das Wehrdienstmodernisierungsgesetz (WDModG) verabschiedet. Eine moderne Ausbildung, mindestens 2600 € Brutto, ggf. Zuschüsse zum Führerschein. Diese Neuerungen sollen so viel Nachwuchs heranschaffen, dass die Wiedereinführung der Wehrpflicht nicht nötig wird. Eine Bedarfswehrpflicht sei trotzdem denkbar, so die Bundesregierung. Siemtje Müller (SPD) geht es darum, „dass wir uns verteidigen können, um uns nicht verteidigen zu müssen.“[1]

Die Freiwilligenvertretung von weltwärts nimmt diese politischen Entwicklungen betroffen zur Kenntnis und positioniert sich gegen die Bedarfswehrpflicht sowie eine allgemeine Wehrpflicht. Sollte der Gesetzgeber jedoch eine Wehrpflicht einführen, fordern wir die rechtliche Anerkennung von weltwärts als Wehrdienstalternative unter §14b (ZDG) für die Nord-Süd-Komponente.

Weltwärts ist der entwicklungspolitische Freiwilligendienst der Bundesregierung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Seit 2008 stärkt das Programm zivilgesellschaftliche Partnerschaften zwischen Deutschland und Ländern des Globalen Südens und verbindet internationale Zusammenarbeit mit entwicklungspolitischer Bildung. Seine Wirkung entsteht durch persönliche Beziehungen, Lernen, Perspektivwechsel und langfristige Engagement-Biografien.[2]

Weltwärts wirkt also –neben anderen Freiwilligendiensten im Ausland– als eine Art Präventionsprogramm gegenüber internationalen, militärischen Aggressionen. Die zivilgesellschaftliche, persönliche Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg ist essenziell für die Wahrung des globalen Friedens. Wenn die Bundesregierung eine militärische Aufrüstung anstrebt und diese, wie derzeit zu beobachten, schrittweise umsetzt, muss auch die Zivilgesellschaft gestärkt werden. Wir möchten weltwärts und das IJFD neben FSJ, FÖJ und BFD im Bereich der alternativen Freiwilligendienste verankern und schließen uns deshalb den Forderungen der Bundesfreiwilligenkonferenz[3] an. Aus dem Positionspapier der BFK, April 2026:

Freiwilligkeit erhalten

Freiwilligkeit statt Pflicht

Freiwilliges Engagement bildet den Grundbaustein einer lebendigen und demokratischen Gesellschaft!

Durch eine Pflicht wird die persönliche Entfaltung junger Menschen eingeschränkt. Deshalb sind wir gegen jegliche Art eines Pflichtdienstes und fordern den Erhalt der Freiwilligkeit.

Erhalt aller Freiwilligendienstformate parallel zum Zivildienst

Wir fordern, dass alle Freiwilligendienstformate FSJ, FÖJ und BFD [sowie weltwärts und IJFD] im Falle einer Wehrpflicht mit dem Zivildienst gleichgestellt werden, aber weiterhin unabhängig existieren.

Dadurch erhalten wir die vorhandenen und funktionierenden Strukturen innerhalb der Freiwilligendienste sowie die wertvolle Vielfalt der Möglichkeiten für Menschen jeden Alters.

Wir fordern außerdem, dass ein geleisteter Freiwilligendienst auch nachträglich mit einem Zivildienst gleichgewertet wird.

Rahmenbedingungen im Falle einer Wehrpflicht

Im Falle einer Wehrpflicht fordern wir den Erhalt der Strukturen der Freiwilligendienste, diese beinhalten die Sprechendensysteme sowie die Seminare für Politik- und Demokratiebildung.

Außerdem fordern wir eine Orientierung des Entgeltes der Freiwilligendienste an das des Pflichtdienstes sowie an alle Vergünstigungen, um Benachteiligung entgegenzuwirken.

Wir sind der Meinung jede Person sollte sich für den Dienst und nicht die Strukturen entscheiden.

Im weltwärts-Kontext ist dafür zum Einen eine zuverlässige Förderung des Programms durch das BMZ notwendig, um den Erhalt der deutschen Trägerlandschaft und langjähriger internationaler Partnerschaften zu gewährleisten. Zum Anderen gilt es die Programmqualität für die Freiwilligen zu bewahren: Das bedeutet, dass weltwärts von Trägern sinnvoll umgesetzt wird, auf die Bedürfnisse junger Menschen eingeht und die Programmkosten nicht weiter auf die Freiwilligen abgewälzt werden. Schließlich kann weltwärts nur dann als Alternative zum Wehrdienst in Betracht gezogen werden, wenn das diverse Programmangebot sicher besteht und alle Menschen eine Chance auf Teilnahme haben.

Veröffentlichung: August 2026


[1] https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2025/kw49-de-wehrdienst-1128220, abgerufen am 20.06.2026

[2] Bundesforum FIJ, Michelle Wrecz, Jan-Thilo Klimisch

[3] https://www.instagram.com/bundesfreiwilligenkonferenz/, Positionspapier der BFK 2026 freigegeben von Juri Stausberg